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Inspector Isobel Burns kehrt widerwillig in ihre Heimat an den sturmumtosten Klippen
Schottlands zurück – und wird sofort mit einem rätselhaften Todesfall konfrontiert. Je tiefer
sie in die Ermittlungen eintaucht, desto stärker ziehen sie die Schatten ihrer
Vergangenheit in den Bann. Zwischen kargen Landschaften, unbequemen Wahrheiten
und einer alten Liebe muss sie entscheiden, wem sie vertrauen kann – und was sie bereit
ist, zu opfern. Ein Fall, der nicht nur die Wahrheit über Elliott Milton ans Licht bringt,
sondern auch Isobels Herz auf eine harte Probe stellt.

The Tide RemembersKeira Ramsdale
00:00 / 05:03
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Leseprobe

Die Scheibenwischer gingen hin und her. Dieses dumpfe, quietschende Geräusch machte sie wahnsinnig. Hin und her, her und hin. Sobald die Wischerblätter den Regen fortschoben, konnten sie von vorn anfangen. Genauso hatte sie diesen Ort in Erinnerung: Verregnet, verschlafen und klein. Isobel hatte das Auto möglichst nah an die Klippen gefahren, doch sie musste auf jeden Fall die wohlige Wärme des Wagens verlassen und durch den Regen laufen. Sie atmete noch einmal tief ein, dann zog sie sich die Kapuze ihres Regenmantels über den Kopf und stieg mit ihrem kleinen Koffer aus. Die Tropfen prasselten so laut auf ihre Kapuze, dass sie nichts anderes hörte. Nach wenigen Metern waren sowohl Schuhe als auch Socken völlig durchgeweicht, die Leinenhose klebte an ihren Beinen, dabei war sie noch keine zehn Minuten wieder in der alten Heimat. Der schmale Weg, der an den Steilklippen hinunter in die kleine Höhle führte, war rutschig – ein feines Rinnsal lief die dunklen Steine hinunter. Innerlich fluchte sie. Wieso war ausgerechnet sie hierhergeschickt worden? Jeder ihrer Kollegen hätte diesen Job machen können. Nur wenige Meter trennten sie von dem winzigen Strand und der angrenzenden Höhle, als sie auf einem der Steine ausrutschte und die restlichen Meter hinunterschlitterte. Stöhnend fasste sie sich an den Hinterkopf, rieb sich die schmerzende Stelle. Als sie bemerkte, dass sie nicht allein hier unten war, richtete sie schnell ihre zerknitterten, feuchten Klamotten und trat in die Höhle.

„Inspector Burns. Jeder, der hier am Tatort nicht zwingend erforderlich ist, verlässt bitte die Höhle und wartet oben an den Klippen.“ Sie sah sich um. Hier sah alles genauso aus wie damals, es roch auch wie früher nach Salz, Algen und Moder.

„Nicht so förmlich, Ise. Wir sind hier doch unter uns.“

Die tiefe, raue Stimme schickte einen Schauer über ihren Rücken. „Nate?“

„Ganz genau. Du bist jetzt also Inspector, hmm?“

„Und du bist offenbar doch noch in die Fußstapfen deines Vaters getreten …“ Sie musterte ihn: blaue Anglerhose, Gummistiefel, kariertes Hemd, verwuschelte schlammbraune Haare. Früher hatte er sich gesträubt, auch nur den Anschein zu machen, der Sohn eines Fischers zu sein. Allerdings hatte er sich im Ganzen ein wenig verändert.

Seine hellgrünen Augen wirkten müde, er hätte eine Rasur vertragen können und das schiefe Lächeln war nicht mehr so breit wie früher. Um seine Beine wuselte ein Hund herum, der sie nun fixierte. Neugierig trottete er auf sie zu, schnupperte und machte Anstalten an ihr hochzuspringen. Gerade noch rechtzeitig schaffte sie es, den Hund unten zu halten. Aus Gewohnheit vergrub sie ihre Finger in dem dichten Fell, ließ den Hund aber schnell wieder los. Sie war nicht hier, um mit Hunden zu kuscheln.

„Ise!“ Ein weiterer Mann kam auf die beiden zu. „Wie schön, dass du wieder hier bist.“ Er drückte sie fest, grinste wie ein kleiner Junge am Weihnachtsmorgen. „Dann ist die alte Gang ja wieder komplett. Heute Abend im Pub lassen wir es ordentlich krachen! Genauso wie früher!“

„Hör mal, Duncan.“ Sie schob den Uniformierten höflich weg.

Es ärgerte sie, dass ihre alten Freunde nicht einfach zum Punkt kommen konnten. Hier lag ein Toter, um Himmelswillen! Eine Leiche, inmitten der schönsten Gegenden, die sie kannte, auch, wenn sie nie wieder hierher zurückkommen wollte.

Tiefe Falten bildeten sich zwischen ihren Augen. „Ich bin nicht wegen alter Erinnerungen hier, sondern wegen des Toten. Wer hat ihn gefunden?“ Sie stellte den Koffer ab und musterte die beiden Männer.

Nathan meldete sich und erklärte. Er war heute Morgen wie immer früh auf dem Meer gewesen, hatte von dort aus im Morgengrauen Lichter an den Klippen gesehen. Doch als er erneut hinsah, schwirrten die Lichter oben an der Steilküste wild umher, waren dann ganz plötzlich verschwunden. Da es in letzter Zeit häufiger vorkam, dass Touristen sich hierher verirrten und die Höhle für ein paar einsame Stunden nutzten, dachte er sich nichts weiter dabei. Nachdem er im Hafen festgemacht hatte, fuhr er her, um nach dem Rechten zu sehen. Im schlimmsten Fall, dachte er, wären die beiden Turteltauben ausgerutscht oder von der Flut überrascht worden, saßen nun in der Höhle fest und wussten nichts von dem Felsvorsprung weiter hinten in der Höhle, direkt unter einem Loch in der Decke und hatten Angst. Dann hätte er sie durch die Öffnung retten können. Der Felsvorsprung würde ihnen Schutz vor dem Ertrinken bieten. Doch die Flut kam heute nicht allzu stark herein, weshalb er kurz darauf noch trockenen Fußes in die Höhle gelangte und den Toten entdeckte. Die meisten kannten nur den „Touristeneingang“, wie alle im Dorf ihn nannten, nämlich die durch die Natur geformten Stufen, auf denen eben gerade hinuntergerutscht war.

Am Ende seufzte der Inspector. Sie befühlte die schmerzende Stelle ihres Sturzes. Schon jetzt war die Beule so groß wie ein Ei und durch eine aufkommende Migräne verstärkte sich das Übel nur. „Wenn du ihn gefunden hast, wieso hast du das nicht beim Notruf gesagt?“

„Ich muss es wohl vergessen haben.“

Isobel zog eine Augenbraue hoch, sie glaubte ihm kein Wort.

Sie sah sich genauer in der Höhle um. Im Gegensatz zu Nate und Duncan hatte sich die Höhle kaum verändert. Einzig die Spuren der Besucher waren neu. Etwas tiefer in der Höhle bemerkte sie einen Schal, den Spuren auf dem Stoff nach zu urteilen, lag er schon eine Weile dort. Als sie an dem beliebten Felsvorsprung eine Muschelkette fand, verbrachte sie dort mehr Zeit als nötig. Erinnerungen prasselten auf sie ein, nahmen sie mit auf eine Reise in die Vergangenheit.

Nathan hatte sie von der Schule abgeholt und fuhr mit ihr zur Höhle. Hier unten war schon alles vorbereitet. Ein voll ausgestatteter Picknick-Korb wartete auf dem Felsvorsprung. Er hatte an alles gedacht, eine große Decke, weiche Kissen, Kerzen. Es war ein perfekter Tag in ihrem Leben und der Moment, in dem sie sicher war, in Nathan ihre große Liebe gefunden zu haben.

Räuspernd steckte sie die Kette in ihre Manteltasche, beendete ihren Rundgang am Eingang.

Dort standen neben Nathan und Duncan endlich die uniformierten Kollegen aus Aberdeen. Wieso hatten die bloß so lange gebraucht, dachte Isobel, sie waren direkt hinter ihr. Genervt von den Kollegen, dem Wetter, dem Ort und der Tatsache, dass Nathan sie die ganze Zeit über ansah, wies sie die Polizisten an, sich am Eingang bereitzuhalten. Unterdessen nahm sie die Leiche in Augenschein.

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